
Zwei Millionen geflohen – Burkina Faso bewegt Menschen in der Schweiz - 4. Januar 2026
«Wenn ein Teil des Körpers leidet, kann der Rest des Körpers nicht sagen, dass er damit nichts zu tun hat», sagt der Priester Jacques Sawadogo gegenüber Livenet. Er freut sich über die Gebete aus dem deutschen Sprachraum.
«Ich wurde 1980 in Burkina Faso geboren», blickt Jacques Sawadogo im Gespräch mit Livenet zurück. «2008 wurde ich zum Priester geweiht.» Mehrere Jahre arbeitete er in Burkina Faso und in Frankreich, «seit fast drei Jahren bin ich nun in Frankfurt am Main an der Hochschule St. Georgien, wo ich studiere.»
«Burkina Faso liegt in Westafrika, wir sind ein Binnenland und haben keinen Zugang zum Meer.» Die Nachbarländer sind Mali, Niger, Benin, Togo, Ghana und die Elfenbeinküste.
«Burkina Faso war lange Zeit ein Beispiel für Religionsfreiheit und interreligiöse Dialoge, weil Muslime, Christen und traditionelle afrikanische Religionen gut miteinander auskamen.»
Zwei Millionen mussten fliehen
Das hat sich massiv geändert, beobachtet Jacques Sawadogo: «Seit zehn, elf Jahren erleben wir Schwierigkeiten, weil die extremen Islamisten sind aus dem Norden gekommen und sie versuchen, dieses Zusammenleben zu zerstören – sie wollen, dass alle zum radikalen Islam konvertieren.»
Christen und normale Muslime werden verfolgt, erklärt Jacques Sawadogo. «Kirchen werden zerstört und auch einige Moscheen. Das ist eine Gefahr für dieses Zusammenleben.»
Viele mussten aus den Dörfern in die grossen Städte fliehen, wo sie mehr Freiheit und Frieden finden können. «Und als Konsequenz dieser Situation hatten wir fast zwei Millionen Menschen, die ihre Häuser verlassen haben.»
«Sie leiden mit, das ist sehr wichtig»
Auf seiner Tournee durch die Schweiz ging es Jacques Sawadogo darum, «dass die Leute unsere Geschichte kennenlernen.» In Muttenz hielt er beispielsweise eine Messe «und nach der Messe, beim Frühstück, hatte ich Zeit, mehr darüber zu sprechen.»
Seine zweite Botschaft ist eine Danksagung: «Was wir in Burkina Faso erleben, berührt auch die Menschen hier. Sie leiden mit, das ist sehr wichtig. Und sie beten für uns, weil wir Christen sind. Weil wir Christen sind, bleiben wir im Gebet verbunden. Wir sind wie ein Körper und wenn ein Teil des Körpers leidet, kann der Rest des Körpers nicht sagen, dass er damit nichts zu tun hat.»
Mehr als zwei Millionen Flüchtlinge
Mehr als zwei Millionen Bewohner des Landes sind Binnenflüchtlinge und über 6000 Schulen mussten geschlossen werden.
Jacques Sawadogo war auf Einladung von «Kirche in Not (ACN)» in der Schweiz. Das katholische Hilfswerk unterstützt unter anderem Kinder von Flüchtlingen, damit diese weiterhin zur Schule gehen können.
Dieser Beitrag ist auch bei Livenet erschienen.
