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Weltverfolgungsindex 2026 erschienen - 15. März 2026

Der Weltverfolgigsindex von Open Doors ist die Liste, die aufzeigt, wie es um das Thema Christen-Verfolgung weltweit steht. Die traurige Spitze sieht ähnlich aus, wie im vergangenen Jahr. Karl Dittli, Pressesprecher von Open Doors Schweiz, mit Sitz in Burgdorf, spricht in unserem Interview darüber.

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Welche Veränderungen hat es in der Top-10 gegeben?

Die markanteste Veränderung ist sicher der steile Aufstieg von Syrien (Von Platz 18 auf 6). Die Lage der Christen hat sich dort in der Zeit des letzten Berichtzeitraums dramatisch verschlechtert. Der Sturz des Diktators Baschar al-Assad hat die Lage der Christen hat nicht zu Besserungen geführt. Im Gegenteil: Es wurden neue Ängste und Gewalt ausgelöst.

Sonst gab es lediglich noch kleinere Veränderungen im Ranking. Sudan und Eritrea sind je einen Rang gestiegen auf 4 und 5. Dafür sind Libyen (Von Rang 4 auf 9) und Iran (Von 9 auf 10) nach unten gerutscht.

Welche Trends sind gegenwärtig erkennbar?

Neben dem aktuellen Brandherd Syrien gibt es natürlich noch weitere Regionen, die im Fokus stehen.

– Auch die Situation in den Ländern von Subsahara-Afrika verschärft sich weiter. In den 14 Ländern dort, die auf dem Weltverfolgungsindex stehen, leben mehr als 721 Millionen Menschen – die Hälfte davon sind Christen.

Dabei bleibt Nigeria der grösste Unruheherd. Es ist der Ort mit der grössten Gewalt an Christen weltweit. Knapp 5000 Christen wurden in der Zeit des letzten Berichtzeitraums getötet, davon knapp 3500 in Nigeria – das ist ein Anstieg von 3100 Toten zum Vorjahr. Eine schockierende Entwicklung.

Sonst noch erwähnen kann man den Sudan. Vor ein paar Jahren noch ein Land voller Hoffnung und guter Entwicklung bei den Menschenrechten und der Religionsfreiheit, hat sich das ganze in eine negative Richtung entwickelt. Vor dem Bürgerkrieg im streng islamisch geprägten Sudan sind mittlerweile 9,6 Millionen Menschen geflohen. Beide Kriegsparteien – die Armee und die Rapid Support Forces – nehmen immer wieder die kleine christliche Minderheit ins Visier, um ihr islamisches Profil zu stärken. Dieses Muster setzt sich in der gesamten Region fort: Schwache Regierungen schaffen ein Machtvakuum, das von militanten Islamisten ausgefüllt wird. Sie operieren weitgehend ungehindert in Teilen von Burkina Faso (16), Mali (15), der Demokratischen Republik Kongo (29), der Zentralafrikanischen Republik (22), Somalia (2), Niger (26) und Mosambik (39).

– Ausserdem gibt es eine weitere besorgniserregende Entwicklung. Kirchen werden in den Untergrund getrieben, dies durch Überwachung und strenge Regulierung. Das gilt besonders in Ländern wie Algerien (Rang 20 im Index) oder China (17).

In Algerien mussten alle protestantischen Kirchen im Jahr 2024 schliessen. Die Christen waren und sind fortan isoliert. Auch online. Diese Restriktionen weiteten sich in letzter Zeit auch auf diesen Bereich aus. Im letzten Jahr schlossen die Behörden eine Facebook-Gruppe, mit mehr als 50’000 Followern und blockierten so auch weitere kirchliche Aktivitäten. So haben mehr als 75 Prozent aller algerischen Christen den Kontakt zur Kirche verloren.

Auch in China gibt es eine ähnliche Dynamik. Letzten September wurden neue Vorschriften über das Online-Verhalten eingeführt. Speziell für Geistliche. Sie verbieten Dinge wie Bibel-Apps, Spendensammlungen oder Jugendarbeit und verlangen gleichzeitig von religiösen Führern, die kommunistische Partei zu unterstützen. Wegen diesen Einschränkungen haben sich verschiedene unabhängige Hauskirchen, die sich früher in kommerziellen Veranstaltungen trafen,  mittlerweile in geheime Gruppen von 10 bis 20 Personen in Privathäusern aufgespalten.

Dieses Muster erstreckt sich auch auf Tunesien, Mauretanien und Vietnam, wo strengere bürokratische Kontrollen, Überwachung und vage Restriktionen Christen systematisch von der Gemeinschaft isolieren.

Gibt es auch Länder, die sich positiv entwickelt haben?

Ja tatsächlich. Es gibt Länder, die uns «Good News» in diesem Bereich liefern. Zum Beispiel Bangladesch. Dort hat sich die Situation in den letzten Jahren beruhigt. Im August 2024 gab es noch Unruhen, die schlussendlich dazu geführt haben, dass der Premierminister gestürzt wurde. Das ist aber Schnee von gestern. Nun ist das Land im Ranking von Rang 24 auf 33 zurückgefallen. Insgesamt gab es weniger Gewalt gegenüber Christen im letzten Jahr. Dies ist auch ein Verdienst der aktuellen Übergangsregierung. Sie betont immer wieder die Wichtigkeit der Religionsfreiheit im Land.

Dann können wir auch noch einen Blick auf Mexiko und Kolumbien werfen. Dort ist aktuell eine allgmeine Aufklärung im Gang. Die staatlichen Verantwortungsträger, die Zivilgesellschaft aber und die Medien realisieren, dass religiöse Führungspersonen wie Pastoren oder Priester ein gefährliches Leben haben. Dies speziell in denjenigen Regionen, wo die Drogenkartelle und/oder bewaffnete Gruppen präsent sind oder sogar das Sagen haben. Es ist erfreulich, dass für diese schwierigen Umstände momentan ein Bewusstsein geschaffen wird in diesen Ländern.

Ähnliche erfreuliche Entwicklungen kann man aktuell auch in Kuba oder Nicaragua beobachten. Dort wird die Religionsfreiheit in letzter Zeit international stärker beachtet. Spezifisch in solchen Fällen, wo sie verletzt wird.

Wie ist die Lage allgemein was die Verfolgung betrifft?

Der allgemeine Trend setzt sich fort. Derzeit wird weltweit jeder siebte Christ verfolgt. Insgesamt sind es mehr als 388 Millionen. Das ist wieder eine leichte Steigerung im Vergleich zum Vorjahr.

Die Punkteanzahl, um in die Top 50 des Weltverfolgungsindex zu kommen, blieb im Vergleich zum letzten Jahr zwar gleich. Doch die Zahl der verfolgten Christen zeigt schon insgesamt, dass dies immer mehr Menschen betrifft und sich die Lage weltweit eher verschärft als beruhigt. Auch wenn wir mit den obengenannten Beispielen natürlich auch in gewissen Ländern Verbesserungen haben. Das soll nicht darüber hinwegtäuschen über die negativen Entwicklungen weltweit in den meisten anderen Ländern.

Was müsste unbedingt gesagt sein, was mit den Fragen oben nicht beantwortet ist?

Wir von Open Doors wollen mit diesem Index jeweils informieren und aufklären. In allen Ländern sind wir entweder selber oder durch unsere Partnerorganisationen vor Ort präsent. Dies mit Dienstleistungen wie Nothilfe, Traumaschulungen, Schulungen für die Vorbereitung auf Verfolgung, Kinder- und Frauenprojekte und vielem mehr.

Wenn wir jeweils von diesen Schicksalen hören, oder lesen ist unsere erste Reaktion meistens, dass dies uns erschüttert. Oder wir legen es beiseite und möchten es vermeiden, dass wir zu fest dadurch erschüttert werden.

Beide Reaktionen sind verständlich. Aber es muss nicht dabeibleiben. Jeder und jede kann einen Beitrag leisten. Es gibt verschiedene Wege um aktiv zu werden. Man kann beten für diese Menschen oder einen Beitrag spenden für Projekte, die der verfolgten Kirche zugutekommen. Es gibt aber auch zahlreiche weitere Möglichkeiten um aktiv zu werden. Inspirieren kann man sich auf unserer Webseite: https://www.opendoors.ch/aktiv-werden/sich-engagieren/

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