
Franziskusreihe in Herzogenbuchsee - 30. August 2026
Franz von Assisi war ein früher Verfechter des Friedens und ein Freund der Tiere. Die Reformierte Kirche Herzogenbuchsee widmet ihm eine Veranstaltungsreihe. Pfarrer Johannes Weimann und Kommunikatorin Eva Opitz erklären, weshalb die Gedanken des vor 800 Jahren verstorbenen Franziskus bis heute aktuell sind.
«Ganz schlicht gesagt geht es darum, Franziskus, Franz von Assisi, bekannt zu machen durch verschiedene Zugänge, weil das er eine faszinierende Persönlichkeit ist, die vor 800 Jahren gestorben ist», blickt Johannes Weimann, Pfarrer in der Reformierten Kirche Herzogenbuchsee nach vorn. In der Franziskus-Reihe soll ein Zugang zu seiner Vielseitigkeit geschaffen werden.
Der Auftakt erfolgt mit Christoph Ammann, Pfarrer aus Zürich-Witikon. «Davor forschte er am Institut für Sozialethik der Universität Zürich zur theologischen Tierethik», erklärt Eva Opitz, Kommunikatorin in der Reformierten Kirche Herzogenbuchsee und ehrenamtliche Mitarbeiterin bei AKUT, dem «Arbeitskreis Kirche und Tiere», die von Christoph Ammann präsidiert wird.
Schöpfungsbericht im Zentrum
Die Motivation von Christoph Ammann bei seinem Vortrag in Herzogenbuchsee fange «sicher auch ganz vorne in der Bibel an, nämlich beim Schöpfungsbericht, wo Vögel und Fische vor dem Mensch und Landtiere mit dem Mensch geschaffen werden», blickt Eva Opitz nach vorne.
Adam, der allein ist, bekommt von Gott die Tiere hergeführt «und er darf den Tieren Namen geben. Namen geben heisst auch eine Beziehung schaffen und jemandem Würde geben. Das hat Christoph Ammann aufgenommen und er hat geschaut, was die Kirche macht und er hat gedacht, dass da vielleicht noch ein bisschen Handlungsbedarf ist.»
Tierwohl wichtig
Heute ist es so, dass wir viel an den Satz denken: «macht euch die Erde untertan», beobachtet Eva Opitz. «Und dass uns das legitimiert für Ausbeutung und Unterdrückung. In der heutigen Theologie steht die Bedeutung der hebräischen Begriffen ‘Kavasch’ und ‘Radha’ mehr im Sinn von ‘Sorge und Bewahrung’ oder ‘Hüterauftrag’.»
Franz von Assisi gilt im Christentum als Schutzpatron der Tiere und der Umwelt. Sein Verhältnis zur Tierwelt ist für das Mittelalter, in dem er gelebt hat, eigentlich revolutionär und prägt die christliche Tierethik bis heute.»
Alle Geschöpfe vom gleichen Schöpfer
Während im mittelalterlichen Denken Tiere meistens als Nutztiere für einen Menschen angeschaut wurden, betrachtete Franziskus sie als Mitgeschöpfe auf Augenhöhe, bilanziert Eva Opitz. «Er sagt den Tieren konsequent Brüder und Schwestern. Alle Geschöpfe entstammen für ihn vom gleichen Schöpfergott und bilden gemeinsame Familien. Heute unterscheiden wir Tiere häufig in zwei Gruppen: Die Tiere, die wir streicheln und die Tiere, die wir mästen und essen oder zu Kleiderzwecken brauchen.» Und während wir unseren Kindern zum Beispiel zeigen würden, wie Rüebli im Garten wachsen, «sperren wir die Tiere hinter dicken Mauern ein, damit wir möglichst nichts von dem Leiden sehen, das dort stattfindet. Und das ist sicher eine wichtige Sache, dass wir uns zurückbesinnen auf die Würde und auf das Lebensrecht dieser Mitgeschöpfe. Paulus weist im Römerbrief darauf hin, dass die ganze Schöpfung auf eine Erlösung wartet.» Die moderne Theologie gehe in die Richtung, dass damit nicht ausschliesslich die Menschen gemeint sind.
Pilgerreise wartet
Nach dem Auftakt am 6. September wartet ein breites Programm im Rahmen der Franziskus-Reihe, erklärt Johannes Weimann. Dies unter anderem mit einem Film: «Wir werden einen Film zeigen und uns auch den berühmten Sonnengesang vornehmen und uns auszutauschen. Ich werde zudem Bilder zeigen vom Franziskusweg von Florenz nach Assisi, den ich pilgere. Und dann gibt es einen ganz tollen Freskenzyklus über Lebensstationen von Franz von Assisi in einer Kirche in Florenz. Diese Bilder werden wir uns gemeinsam anschauen und uns austauschen. Und als Abschluss werde ich noch ein Wochenende anbieten, wo wir pilgernd unterwegs sind.» Ausgehend von Schwarzenburg wird in Fribourg in einer Franziskanerkirche übernachtet.
«Als Nachklang, weil das natürlich in der Zeit der Schöpfungszeit nicht reinpasst, werden wir auch ein Krippenspiel aufführen, weil – was viele nicht wissen – , Franz von Assisi der Schöpfer des Krippenspieles ist; mit lebendigen Tieren und Menschen.»
Er zog als Friedensstifter mit
Johannes Weimann verweist ausserdem auf die Vielseitigkeit von Franz von Assisi: «Was viele nicht wissen, er war ja auch Friedensstifter. Als die Kreuzzüge waren, ist er nicht mit dem Schwert losgezogen sondern unbewaffnet in das feindliche Heer gegangen und hat dort das Gespräch mit den Sultanen gesucht.»
Erst vor kurzem publizierte Eva Opitz bei AKUT das Kochbuch «Pflanzlich Kochen – Mit Herz und Verantwortung». Dieses kann hier heruntergeladen werden.
