
Kirchen und Caritas eröffnen neue ökumenische Anlaufstelle für Menschen in Not - 26. April 2026
In Olten und Schönenwerd bietet die Kirchliche Sozialberatung unkomplizierte und kostenlose Hilfe in belastenden Lebenslagen.
«Einerseits ist da der grosse Bedarf in Olten und Umgebung, die dazu führten, dass immer mehr Anfragen zu uns nach Solothurn gekommen sind», erinnert sich Regina Zürcher, Standortleiterin der Caritas Olten. «Und gleichzeitig hat es bei den Synoden der drei Landeskirchen und einzelnen Kirchgemeinden Bemühungen gegeben, die Diakonie mit dem ökumenischen Angebot zu stärken. Da ist Caritas Solothurn mit seiner Erfahrung für die operative Umsetzung ins Spiel gekommen.»
In einer Zeit, in der die Finanzierung kirchlicher Leistungen im Kanton Solothurn öffentlich diskutiert wird, setzen die drei Landeskirchen mit den Kirchgemeinden der Region Olten–Gäu–Niederamt ein klares Zeichen: Mit der neuen Kirchlichen Sozialberatung gibt es nun ein regionales, ökumenisches Unterstützungsangebot für Menschen in belastenden Lebenssituationen. Gemeinsam mit Caritas Solothurn bieten die neuen Anlaufstellen in Olten und Schönenwerd seit Februar Ratsuchenden offene, unkomplizierte und kostenfreie Beratung. Das Angebot steht allen Menschen im unteren Kantonsteil offen – unabhängig von Herkunft oder Weltanschauung.
Ein Stellenverlust, eine Krankheit oder eine Trennung können Menschen unerwartet in existenzielle Schwierigkeiten bringen. Genau hier setzt die neue Kirchliche Sozialberatung Olten–Gäu–Niederamt an. Die Sozialarbeiterinnen Tina Flückiger und Deborah Treier beraten bei finanziellen Engpässen, familiären Belastungen oder gesundheitlichen Herausforderungen. Sie klären Ansprüche gegenüber Sozialversicherungen und der Sozialhilfe und begleiten Betroffene in Krisen- und Notsituationen. Alle Gespräche sind vertraulich.
Plötzlich ohne Zuhause
Wie entscheidend und wirkungsvoll die Hilfe der Kirchlichen Sozialberatung sein kann, zeigt die Geschichte eines 19-jährigen Lernenden: Wegen der Mietschulden seiner Eltern musste er kurzfristig das Elternhaus verlassen und stand plötzlich vor dem Nichts. In dieser Notlage nahm ihn seine Patin aus der «mit mir»-Patenschaft der Caritas sofort bei sich auf – einem Programm, in dem Freiwillige benachteiligten Kindern Zeit und Aufmerksamkeit schenken.
Darauf aufbauend organisierte die Kirchliche Sozialberatung gemeinsam mit ihm ein WG-Zimmer. Sie übernahm den für seine soziale Stabilität wichtigen Sportclub-Beitrag und beriet ihn in Budgetfragen. Nur wenige Monate später schloss er seine Lehre mit Berufsmatur erfolgreich ab.
Regionale Zusammenarbeit bündelt Kräfte
«Solche Geschichten zeigen, wie viel Gutes möglich ist, wenn Menschen leichten Zugang zu Beratungsangeboten haben», sagt Regina Zürcher, Standortleiterin der Kirchlichen regionalen Sozialberatung bei Caritas Solothurn. «In Solothurn und Grenchen sehen wir täglich, wie gross der Bedarf ist. Allein 2024 haben wir an diesen beiden Standorten über 500 Menschen – und damit über 500 einzelne Schicksale – begleitet. Diese Erfahrung war ausschlaggebend, die neue regionale Sozialberatung mit 120 Stellenprozenten aufzubauen.»
Das Angebot in Olten und Schönenwerd ist das Ergebnis einer engen Zusammenarbeit der drei Landeskirchen und der Kirchgemeinden der Region. Die Römisch-Katholische Kirchgemeinde Olten/Starrkirch-Wil integriert ihre bisherige Sozialberatung in das ökumenische Projekt, stellt Räumlichkeiten zur Verfügung und beteiligt sich an der Trägerschaft. Eine Aussenstelle befindet sich in den Räumen der Reformierten Kirchgemeinde Niederamt in Schönenwerd. «Mittelfristig planen wir zudem eine weitere Stelle in der Region Gäu/Thal », ergänzt Regina Zürcher.
